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Corona-Krise: Gesundheitspolitik vorausschauend und ganzheitlich gestalten

Derzeit richtet sich der Blick auf das Corona-Virus und dessen Bekämpfung. Eine Problemlösung erfordert jedoch einen breiteren Blick auf die Gesundheit und eine konsequente Umweltpolitik.

Die Ökologisch-Demokratische Partei / Familie und Umwelt (ÖDP), Landesverband Baden-Württemberg kritisiert die gegenwärtige übermäßige Fokussierung auf das Corona-Virus als solches und ruft dazu auf, stärker die Zusammenhänge zu beachten, in denen das Corona-Virus entstehen und sich so verbreiten und so gravierende Folgen nach sich ziehen konnte. "In einer akuten Krise ist die soziale Distanzierung sicherlich richtig, weil sie Risikogruppen schützt," so das Landesvorstandsmitglied der ÖDP Baden-Württemberg Matthias Dietrich. "Auch können weitere Maßnahmen wie Schutzmasken ergriffen werden, um das Virus einzudämmen. Aber diese Maßnahmen können nur akute Notmaßnahmen sein, stellen aber keine Problemlösung dar." Gemäß Dietrich müssen Problemlösungen langfristig angelegt und dauerhaft sein. Wahrscheinlich lasse sich das Virus SARS-CoV-2 nicht ausrotten. Auch bleibe die Gefahr der Entstehung eines neuen gefährlichen Virus' bestehen. Folglich müsse mehr Aufmerksamkeit auf die Vermeidung der Entstehung eines neuen gefährlichen Virus' gerichtet werden. Und außerdem müssten die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass in Zukunft das Virus SARS-CoV-2 oder ein ähnliches Virus nicht mehr so gravierende Folgen nach sich ziehen kann, wie das in der gegenwärtigen Krise der Fall ist. An vier Punkten sei anzusetzen:

Der erste Punkt ist die Vermeidung der Entstehung eines gefährlichen Virus. Es ist wahrscheinlich, dass das Virus auf einem Markt in Wuhan von einem Zucht- oder Wildtier auf den Menschen übertragen wurde. Die mangelnde Hygiene auf diesen Märkten ist ebenso ein Problem wie der illegale Handel mit Wildtieren und die Zerstörung der Lebensräume der Tiere. "Indem wir die Barrieren, die zwischen den Menschen und den Wirtstieren, in denen die Viren natürlicherweise vorkommen, reduzieren, schaffen wir die Voraussetzungen für die Verbreitung von gefährlichen Viren. Die Entstehung von Pandemien muss also durch verbesserte Hygiene auf den Märkten im Entstehungsland, Unterbindung des illegalen Handels mit Wildtieren und durch Bewahrung der natürlichen Lebensräume unterbunden werden," so Dietrich. Je größer die Lebensräume sind und je größer die Artenvielfalt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Virus großflächig verbreitet und dann vom Wildtier auf den Menschen übergeht. Eine besondere Bedeutung kommt dem Schutz der tropischen Regenwälder und der Korallenriffe zu, denn sie beherbergen eine besondere Artenvielfalt. Hinzu kommt - neben anderen Aspekten wie ihrer Schönheit und ihrer großen Bedeutung beim Klimaschutz -, dass sich in ihren Organismen viele Wirkstoffe für Arzneimittel finden.

Als zweiter Punkt ist die frühzeitige Unterbindung der Ausbreitung von COVID-19 oder einer ähnlichen Viruskrankheit zu nennen. Sie erfordert frühzeitige und ausreichende Tests, sobald sich erste Anzeichen einer Ausbreitung zeigen. Dafür braucht es eine zuverlässige Testmethode, außerdem ausreichend Gelder und Personal. Fällt ein Test positiv aus, ist Quarantäne der betroffenen Person erforderlich.

Der dritte Punkt ist die Verbesserung der Widerstandskraft der Menschen gegenüber Viruserkrankungen. Besonderes Augenmerk muss der Vermeidung von Vorerkrankungen gelten. "Wir wissen, dass insbesondere für ältere Menschen mit Herz- und Kreislaufproblemen, Diabetes und Atemwegserkrankungen das Virus SARS-CoV-2 eine Gefahr darstellt," so Dietrich. "Folglich müssen wir stärker die Entstehung dieser Krankheiten in den Blick nehmen und bekämpfen." Zu den häufigsten Ursachen einer Herz-Kreislauferkrankung zählen Stress, Rauchen, Medikamente, psychische Belastungen, mangelnde Bewegung sowie eine ungesunde Ernährung. Diabetes wird durch ungesunde Ernährung, Übergewicht und mangelnde Bewegung begünstigt. Und bei Atemwegserkrankungen sind Rauchen und Luftverschmutzung die Ursachen Nummer Eins. "Wollen wir diese Ursachen beseitigen, dann müssen wir in den verschiedensten politischen Bereichen die Voraussetzungen dafür schaffen, nämlich in Wirtschaftsleben, Landwirtschaft, Verkehrspolitik, Siedlungspolitik usw - eigentlich in allen Bereichen der Politik. Kurz: Die Abkehr vom Streben nach ständigem Wirtschaftswachstum und nach Gewinnmaximierung gehört ebenso zu ganzheitlicher Gesundheitspolitik, wie die Förderung des Fuß- und Radverkehrs oder der Erhalt und die Schaffung von innerstädtischen Grün- und Erholungsflächen - um nur einige Beispiele zu nennen. All dies hat auch positive Auswirkungen auf die Psyche, die sich in nicht unerheblichem Maße auf die Gesundheit auswirkt.

Und als vierter Punkt bedarf es der ausreichenden Versorgung von Kranken. "Wir werden in Zukunft vermutlich mit dem Virus SARS-CoV-2 leben müssen, wie wir dies auch mit einer Vielzahl anderer Viren und Bakterien müssen. Der behutsame Umgang miteinander, eine mögliche freiwillige Impfung gegen COVID-19 und die Stärkung des Immunsystems durch gesunde Ernährung, Bewegung und ausreichend Frischluft sowie Quarantäne positiv getesteter Personen vermögen sicherlich die Risiken zu minimieren," so Dietrich, der selbst in engem Kundenkontakt bei der Deutschen Bahn arbeitet, "doch werden sich Erkrankungen an COVID-19 nicht ganz vermeiden lassen. Damit diese nach Möglichkeit keine schlimmen Folgen nach sich ziehen oder gar tödlich enden, bedarf es ausreichender Gelder für die Intensivmedizin und ausreichend und angemessen bezahlten und qualifizierten Personals." Für die Krankenhäuser bedeutet das, dass diese nicht Gewinnmaximierung und Spardruck unterworfen werden dürfen. Folglich muss auch dem gegenwärtigen übermäßigen Streben nach Privatisierung der Krankenhäuser ein Riegel vorgeschoben werden.


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